Filmkritik: Ossi’s Eleven

Oswald, genannt Ossi, hat gerade ein Jahr Knast hinter sich. Da er jedoch beratungsresistent ist, plant er bereits das nächste Ding – eine Spielcasino-Kette ausrauben. Einziger Nachteil – die Kette ist pleite. Doch Ossis kriminelle Energie lässt sich davon nicht ausbremsen.

Der Alternativplan ist der Überfall auf eine Gießerei, die D-Mark-Münzen einschmilzt. Dieser Coup könnte sich lohnen. Also versammelt Ossi eine Truppe aus Wendeverlierern um sich, die alle mehr weniger nützlich sind, und das Unheil nimmt seinen Lauf. Eine Abfolge von Slapstick-Einlagen und absurden Situationen ist die Folge und der Zuschauer ist zwischen Mitleid und Lachanfällen hin- und hergerissen.

Der Film aus dem Jahr 2008 stellt eine unverkennbare Persiflage auf die Ocean’s Eleven-Reihe dar. Fans deutscher Filme sind diesbezüglich recht leidgeplagt. Zu oft wurden Hollywood-Produktionen hierzulande mit geringem Budget, aber großen Namen lieblos abgekupfert. Dass der Film gar nicht erst versucht, sich als internationaler Kassenknüller zu tarnen, muss man Regisseur Oliver Mielke zugutehalten.

Dennoch muss sich der Film nicht verstecken. Der Cast entwickelt die richtige Dynamik und hat seinen ganz eigenen Charme. Götz Otto ist ja nun nicht der weltbeste Schauspieler, glänzt aber in der Rolle des abgehalfterten Ex-Ruderprofis. Stefan Jürgens als Ossis Kumpel Karl, der mit dessen Frau schläft und sein eigenes Ding plant, ist einfach grandios mit Mittelscheitel und Bart. Prädikat: Sehenswert.

Filmkritik: Outside the Box

Über den Tellerrand schauen lernen ist das Ziel des Business-Seminars, an welchem vier erfolgreiche Unternehmensberater teilnehmen sollen. Ein übliches Konzept also, um etwas abgehobene Schreibtischtäter wieder zu erden. Ein Luxusbus bringt Vicky Krieps, Sascha Alexander Gersak, Stefan Konarske und Volker Bruch in ein abgelegenes Waldstück, wo sie in einem Rollenspiel lernen sollen, mit extremen Stresssituationen umzugehen.

Kern dieses Spiels ist eine öffentlichkeitswirksam inszenierte Entführung durch zwei Bewaffnete. Blöd nur, dass sich das geglaubte Spiel in blutigen Ernst verwandelt. Die beiden Geiselnehmer haben nämlich ihre eigene Vorstellung was die Höhe der Bezahlung angeht – eine Million. Es darf jedoch nichts nach draußen gelangen, da die negative PR einfach vernichtend wäre. Also müssen die vier Helden unverdrossen mitspielen und das Ganze gerät zur Farce.

Der Film karikiert den Business-Alltag und spielt Bullshit Bingo mit dem damit verbundenen Fachjargon. Assessment Center, Bonding und Teambuilding haben alle ihren Platz und zeigen wie realitätsfern die Business-Welt größtenteils ist. Das Setup dieses deutschen Films kann sich in jeder Hinsicht sehen lassen. Der Cast ist gelungen und taucht glaubwürdig in seine Rollen ein. Immer wieder wird in die Perspektive der Überwachungs- und Knopfkameras umgeschaltet, was sehr nett anzuschauen ist. Die Filmidee ist nicht neu, wurde von Philip Koch aber sehenswert, lustig und bösartig umgesetzt.

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